Freitag, 24. November 2017

Geheimnisvolle Spuren










Geheimnisvolle Spuren



Heute habe ich mir ein Buch gekauft: mein Buch, meine zarten takte – gebraucht. Schon länger dümpelte es bei Amazon herum, wurde jede Woche ein paar Cent billiger. Das kann man sich ja nicht gut angucken – und entschließt sich irgendwann zu so einer Art Adoption.

Gehofft hatte ich, dass es entweder „wie neu“ ist oder aber irgendwelche interessanten („Gebrauchs“-)Spuren aufweist. Mit der ersten Version würde mich natürlich ein trauriges Desinteresse anspringen, aber immerhin könnte man das Buch nochmal verkaufen oder zumindest als Ansichtsexemplar auslegen.
Wenn ich ehrlich bin, wollte ich lieber die zweite Variante – und die bekam ich dann auch. Auf dem Cover ist deutlich irgendwann eine Kaffee- oder Teetasse geparkt worden. Und es riecht, oder duftet, sanft nach Tabak.
„Ihr müsst mit dem Bleistift lesen“, höre ich meinen alten Deutschlehrer sagen. Mein Käufer-Verkäufer hat es eifrig getan: Da ist eingekreist und unterstrichen, angekreuzt und angemerkt, dass es eine Freude wäre, könnte man das Ganze bloß dechiffrieren. Aber man kann nicht mal seine – ihre? – Handschrift lesen.
Die schwungvollen Schrift- und Lesezeichen wirken im übrigen sehr positiv gestimmt, so, als habe diesem Menschen mein Buch gefallen. Aber warum hört er im dritten Kapitel auf zu kritzeln und zu krakeln? Wusste er nach dem zweiten schon alles? Und warum hat er es nach und trotz der Mit-dem-Bleistift-Rezeption auf den Markt (zurück-)geworfen?
War es vielleicht eine/r meiner RezensentInnen?
Zwei von ihnen leben nicht mehr …   

und an diese Beiden denke ich jetzt, voller Dankbarkeit.



Marlies Blauth 







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