Freitag, 18. August 2017

Drinnen saßen stehend Leute ... [Glosse]











Drinnen saßen stehend Leute/

schweigend ins Gespräch vertieft …



Es ist – Glossenzeit!

Wer mich kennt, weiß, dass ich aus verschiedenen Gründen fast immer mit dem ÖPNV, dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr, unterwegs bin.

Selbstverständlich erlebt man dabei so einiges, wobei ich jetzt nicht über saufende Mitfahrer berichten will, schmuddelige Hinterlassenschaften oder jenen Fahrgast, der sich nicht einfach woandershin setzte, sondern seinen Nachbarn erst noch mit den Worten brüskierte: „Sie riechen ekelhaft!“. Nein, so was überhaupt nicht. Denn ungeachtet allgemeiner Meckerei kommt dies alles gar nicht so oft vor.

Es geht um die Kommunikation mit den Verkehrsbetrieben selber, wenn es wirklich mal was zu beanstanden gibt.

Das erste Mal lag ein Bus – eine Linie über Land – durch einen Unfall auf der Strecke vor ihm fest und kam nicht bei mir an. Da ich einen Termin hatte, nicht eine geschlagene Stunde warten konnte und nun ein Taxi nehmen musste, versuchte ich, wenigstens einen Teil der Taxikosten wiederzubekommen. Hat geklappt: ich bekam das Geld vollständig erstattet. Danke an DB Regio (zumal es sich ja um „höhere Gewalt“ handelte)!

Und nochmal (danke an) DB Regio: Kürzlich erlebte ich den etwas skurrilen Fall, dass ein Bus nicht den vorgesehenen Bussteig anfuhr, auf dem ich mit einigen anderen brav wartete, sondern einen völlig anderen, der nicht mal in Sichtweite lag. Sprich: er ließ uns einfach stehen. Ich bekam schnell und unkompliziert meine gesamte Fahrkarte erstattet, obwohl dieser Fauxpas nur die letzten 15 km betraf. So einen guten Service war ich von früher nicht gewohnt, da hieß es eigentlich immer: Tut uns leid, wir werden uns bessern, blabla, blubblubb.

Dass diese Zeiten noch nicht ganz vorbei sind, war allerdings klar. Vielleicht beflügelt durch die oben genannten zwei guten Erfahrungen, schrieb ich jetzt an einen Verkehrsbetrieb, ansässig in einem benachbarten Bundesland.
Wir hatten nämlich eine absonderliche Preisgestaltung erlebt: Auf identischer Fahrstrecke kostete die kürzere Entfernung knapp 10 € mehr als die längere. Also beschloss ich, mal ganz zaghaft bei dem entsprechenden Verkehrsverbund anzuklopfen. Ich sach‘ ja dann nicht, dass ich mir verarscht vorkomme, sondern bin höflich.
Also schickte ich die Fahrkarten hin und beschrieb mein Problem(chen).

Nun bekam ich eine Antwort, nämlich eine Mischung aus Vordruck (… tut es uns leid, … wir werden … eine gezielte Überprüfung …) und dem Beweis, dass mein Brief niemals „richtig“ gelesen worden sein kann.

Mit der Krönung „Beide Fahrscheine wurden richtig ausgestellt“ endete die wunderbare Antwort. Vermutlich hat der Schreibtischmensch das teurere Dings mit der längeren Fahrt assoziiert – wie man das eben so macht. Aber darum gings ja gerade: ums Paradoxe.

Ein zweiter Versuch trug ebenfalls etwas matschige Früchte. Amtsschimmelwieherdeutsch, wieder als Fertigtext, der nicht recht passt. Ich kann ihn aus Datenschutzgründen nicht ganz hier zeigen; nur so viel:

Eine Änderung der Preisbildung für die von Ihnen befahrene Strecke können wir Ihnen derzeit nicht in Aussicht stellen.

Himmel, hilf. Vielleicht beim nächsten Mal in Gestalt eines Busfahrers, der uns ganz selbstlos rät: Lösen Sie weiter und steigen Sie früher aus, dann sparen Sie zehn Euro. Wir wissen ja jetzt Bescheid und halten ihn nicht für bekloppt.



Marlies Blauth

















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